Die weitreichende Bedeutung vieler großer Erfindungen erkannten die Menschen erst im Nachhinein. Ähnlich war es wohl auch mit dem Internet: In seinen Anfangsstadien konnte vermutlich noch kaum jemand ahnen, welche Bedeutung ein weltweites Computernetzwerk für den Alltag der meisten Menschen einnehmen wird.

Zweifelsfrei ist das Internet eine der aller wichtigsten – wenn nicht sogar die wichtigste – Erfindung der letzten Jahrzehnte. Ironischerweise gibt es aber im Netz nur wenige Artikel, die sich mit dessen Entstehungsgeschichte befassen. Das möchten wir ändern, und Ihnen an dieser Stelle die wichtigsten Eckpunkte rund um die Entstehung und Entwicklung des Internets näher bringen.

Die frühen Anfänge

Als Forscher erstmals an der Vernetzung von Computersystemen arbeiteten, konnten sie nicht ahnen, wozu dies eines Tages genutzt werden würde. Dinge wie Onlineshopping, Videostreaming, Messenger, Social Media – all diese Dinge waren zu der Zeit noch niemandem ein Begriff.

Generell waren die Bereiche Wirtschaft und Unterhaltung nicht jene, die die Entwickler der ersten Computernetzwerke im Sinn hatten. Vielmehr ging es damals um den militärischen Einsatz, die Nutzung für die Raumfahrt, und die Kommunikation zwischen wichtigen Forschungseinrichtungen.

Der historische Kontext

Es herrschte der kalte Krieg. Die USA und die damalige Sowjetunion versuchten permanent, einander in allen Belangen zu übertreffen. Besonders wichtig war dabei das Gebiet des technologischen Fortschritts, der Forschung und Entwicklung neuer Technologien. Den meisten Menschen ist hierbei das „Wettrennen“ ins Weltall ein Begriff, aber ähnlich war es auch im Bereich der Informationstechnologie (die wiederum für die Raumfahrt auch von großer Bedeutung war und ist).

Dieser Zeitgeist förderte finanziell und emotional wohl auch die Entwicklung des Arpanets, dem Vorvater des heutigen Internets.

Arpanet – Vorvater des Internets

Ursprünglich war APRA nur ein kleines Büro, dass für die Zuweisung von Forschungsgeldern und Aufträgen an verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen zuständig war.

Die US-amerikanische Behörde „Advanced Research Projects Agency“, Kurzform ARPA, ist namensgebend für das damalige Arpanet. Ende der 50er Jahre wurde diese Organisation eingerichtet – sie war nicht zuletzt eine Reaktion auf den Erfolg den doe Sowjetunion mit „Sputnik“ in der Raumfahrt erzielen konnte.

So wurde das Arpanet schließlich als frühes, dezentrales Computernetzwerk entwickelt.

Wozu das Arpanet entwickelt wurde

Bereits vor der Entwicklung des Arpanets gab es Computernetzwerke mit zentraler Steuerung. Das besondere am Arpanet war nun, dass es keine zentrale Steuerung mehr geben sollte – es wurde also ein dezentrales Netzwerk entwickelt. Der Grund für diese Zielsetzung war es sicherzustellen, dass das Arpanet auch dann noch funktioniert, wenn wichtige Standorte verloren gehen würden.

Aus diesem Grund hält sich auch heute noch die Legende, dass der Grund für die Entwicklung eines dezentralen Netzwerkes die Angst vor einem möglichen Atomkrieg war. Auch bei einem Atomschlag, der zentrale Knotenpunkte außer Gefecht setzen könnte, solle das Netzwerk weiterhin funktionieren.

Als wahrscheinlicher als diese Theorie gilt aber die Annahme, dass die Entwickler des Arpanets eher um die sensiblen Datenverbindungen des Netzwerks besorgt waren. Diese könnten auch aus anderen Gründen relativ leicht verloren gehen. Somit ist davon auszugehen, dass die am Arpanet arbeitenden Informatiker mit der Dezentralität generell Ausfällen entgegenwirken konnten, ohne jedoch speziell oder primär einen drohenden Atomkrieg im Sinn zu haben.

Zu den wichtigsten Informatikern in der Entwicklung des Arpanets gehörten J.C.R. Licklider, Richard Bolt, Leo Beranek und Robert Newman. Von der Planung bis zur Umsetzung vergingen ungefähr 7 Jahre.

In der Anfangsphase des Projekts wurden lediglich vier Universitäten miteinander vernetzt – und zwar solche, die bereits für das US-Verteidigungsministerium forschten. Die Kommunikation innerhalb des Computernetzwerks wurde über die Telefonleitung abgewickelt – hierüber wurden die Datenpakete versandt.

Auch heute noch basiert die Datenkommunikation auf ähnlichen Prinzipien wie damals.

Ein Hauptgrund für die Vernetzung von Universitäten über das Arpanet war auch der Wunsch, die vorhandenen Ressourcen gemeinschaftlich nutzen zu können. ARPA hatte hierzu die Universitäten mit Computern ausgestattet – aus heutiger Sicht waren diese damals natürlich sehr leistungsschwach und benötigten enorm viel Platz.

Das Netzwerk wird immer größer

Im Jahr 1972 galt das Netzerk bereits als etabliert. Es waren zu dem Zeitpunkt bereits 37 verschiedene Einrichtungen angeschlossen, die an verschiedenen Standorten in den USA angesiedelt waren. Das Arpanet war also bereits ein landesweit von wichtigen Forschungseinrichtungen in Verwendung.

Für die teilnehmenden Einrichtungen wurde die gemeinsame Arbeit an Projekten dadurch wesentlich vereinfacht: Musste man vorher persönlich oder auf dem Postweg Daten austauschen, war dies nun über diese frühe Form des Internets möglich.

Aufgrund dieser deutlichen Vorteile wurde immer mehr Menschen klar, dass ein weltweites Netzwerk dieser Art enorme Chancen bringen könnte. Dennoch war man davon noch eine Weile entfernt: Ersteinmal hatten nur jene US-Universitäten Zugriff zum Arpanet, die einen entsprechenden Vertrag mit dem Department of Defence abgeschlossen hatten.

Auch war dies damals ein extrem kostspieliges Unterfangen: Ein Netzwerkzugang kostete $ 100.000 jährlich. Die Anschaffungskosten der (ebenfalls sehr teuren) Computer war hier noch nicht eingerechnet. Für Privatanwender war ein solcher Netzwerkzugriff also noch lange Zeit undenkbar.

Eine Alternative zum Arpanet: Alohanet

Eine weniger bekannte Alternative zum Arpanet wurde 1970 von der Universität auf Hawaii entwickelt: Das Alohanet. Auch dabei handelte es sich um die Entwicklung eines dezentralen Netzwerks – dieses wurde jedoch nicht über Telefonleitungen betrieben, sondern war ein Funknetzwerk.

Die Entstehung des TCP/IP Protokolls

Im Laufe der Zeit stieß das Arpanet auf einige größere Hindernisse und Stolpersteine. Einerseits brach der Vietnamkrieg aus, und so wurden immer weniger Ressourcen für die Foschrung am Arpanet aufgebracht. Das Verteidigungsministerium fokussierte seine Anstrengungen dagegen auf die militärischen Aktivitäten.

Auch stießen die damals verwendeten Arpanet-Protokolle an ihre Grenzen. Aufgrund mangelnder Übersetzungsmöglichkeiten war eine Kommunikation zwischen Netzwerken nicht möglich.

Trotzdem gelang es in dieser schwierigen Phase die Entwicklung eines wahren Meilensteins in der gesamten Netzwerktechnik: Das TCP/IP Protokoll. Das von Vinton Cerf und Robert Kahn entwickelte Protokoll ist bis heute in Verwendung. Zwar versuchten später noch viele andere, ihre eigenen Protokolle zu entwickeln (darunter auch Unternehmen wie Microsoft oder Apple) – keine dieser Alternativen konnte sich jedoch durchsetzen.

Die Einführung von TCP/IP ist einer der wesentlichsten Meilensteine in der Entwicklung des Internets.

Das Netz wird zum Mainstream

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Im Jahr 1975 verfügte das Arpanet bereits über 61 an das Netzwerk angeschlossene Knoten. Das Experiment Arpanet wurde jedoch Ende der 70er Jahre beendet.

Rund zehn Jahre später, also Ende der 80er Jahre, kam es in der Schweiz zu einer weiteren, auch heute noch verwendeten Erfindung: In CERN wurde das World Wide Web, kurz WWW, entwickelt. Auch die Webseite, auf der Sie sich gerade befinden, setzt noch immer auf diese Technologie.

Übrigens wird heute von CERN ein Online-Simulator betrieben, in dem das Websurfen von damals nachgestellt wird.

Im Jahr 1996 waren ca. 16 Millionen Computer weltweit über Internetanschlüsse miteinander vernetzt. 2 Jahre später waren es bereits 38 Millionen. In Deutschland dauerte es dann noch bis ins Jahr 2003, bis die Hälfte der gesamten Bevölkerung einen Internetzugang hatte. Internet- und Web-Einsatz waren zum Mainstream geworden.

Viele moderne Plattformen, die Sie vermutlich heute nutzen, sind wenige Jahre später entstanden. YouTube ging im Jahr 2005 erstmals online – damals gehörte es noch nicht zum Google Konzern. 5 Jahre später folgte dann mit Facebook ein soziales Netzwerk, das vieles im Bereich der Online-Communities revolutionieren sollte.

Das Netz heute

Nachdem wir nun die historische Entwicklung des Internets betrachtet haben, wollen wir als nächstes einen Blick in die Gegenwart werfen. Heute ist das Netz ein extrem stark etabliertes Massenmedium, dass längst zum Alltag gehört.

Die Bedeutung des modernen Internets lässt sich im Wesentlichen in zwei Teilbereiche gliedern: Einerseits den technologischen, und andererseits den gesellschaftlichen Bereich.

Technik einst und heute

Die Technik zur Nutzung des Internets hat sich insbesondere auf Anwenderseite sehr stark verändert. Smartphones, moderne Webbrowser und hohe Verbindungsgeschwindigkeiten sind Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die alten 56k-Modems, die vor 20 Jahren der Standard für den Internetzugang waren. Streamen von Filmen oder Liveübertragungen in guter Qualität wäre zu der Zeit noch undenkbar gewesen.

Social Media gab es noch nicht – stattdessen wurden primär klassische E-Mails versandt, und fallweise in eigenen Diskussionsforen zu speziellen Themen Unterhaltungen geführt.

Breitband

Die flächendeckende Einführung von Breitband verhalf dem Netz, sich noch stärker zu etablieren. Die um ein vielfaches höhere Übertragungsgeschwindigkeit erlaubt völlig neue Anwendungsgebiete, wie sie ursprünglich aus Performancegründen einfach nicht umsetzbar gewesen wären.

Trotzdem sind die Übertragungsgeschwindigkeiten im deutschsprachigen Raum teilweise noch längst nicht so hoch, wie anderswo. Auch der Glasfaserausbau hinkt hierzulande anderen Ländern und Regionen noch teils hinterher.

Mobile Internetnutzung

Die Internet- und Web-Nutzung auf Mobiltelefonen ist ebenfalls eine Entwicklung der jüngeren Vergangenheit. Zwar gab es bereits Anfang der 200er Jahre eine frühen Gehversuche, Internetdienste am Handy zu etablieren (mit Hilfe von GPRS, WAP etc.) – diese waren aber eher wenig erfolgreich, und setzten sich in der großen Masse nicht durch.

Heute, in Zeiten moderner Smartphones und 4G, ist es zu Selbstverständlichkeit geworden, mobil ins Netz zu gehen. Die meisten Webseiten haben heute mehr Besucher von mobilen Geräten als von PCs oder Laptops.

Cloud Computing

Die Cloud ist in gewisser Weise der Nachfolger der klassischen Festplatte: Überall verfügbare Online-Datenspeicher erfreuen sich recht hoher Beliebtheit. Enormen Speichermengen und günstigen Tarifen sei Dank.

Die Cloud kann aber nicht nur als reines Speichermedium genutzt werden: Auch komplexe Anwendungen werden heute vielfach von der Cloud aus ausgeführt, und drohen traditionelle Softwareprogramme auf dem eigenen Rechner zu ersetzen.

Die Bedeutung des Internets für die Gesellschaft

Eine so bedeutsame und weit verbreitete Technologie wie das Internet hat zwangsläufig auch enorme gesellschaftliche Auswirkungen. Da insbesondere das Web auch den Bereich der Medien wesentlich veränderten, ist die gesellschaftliche Relevanz wohl noch höher.

Soziale Medien

Die sozialen Medien bzw. sozialen Netzwerke verbinden unzählige Menschen über eigene Plattformen im Netz. Sie nehmen teilweise enormen Einfluss auf politische Ereignisse – nicht nur, dass Wahlwerbung und politische Diskussionen dort stattfinden, auch ganze Revolutionen wurden bereits über Social Media befeuert. Ein Beispiel dafür war der sogenannte Arabische Frühling.

Die Betreiber dieser Netzwerke verfügen über sehr weitreichende und teils detaillierte Daten ihrer Anwender, was immer wieder zu Bedenken und Debatten rund um das Thema Datenschutz führt. Auch die 2018 eingeführte EU-DSGVO ist nicht zuletzt auch vor diesem Hintergrund entstanden.

E-Commerce

Onlinehändler bieten diverse Waren und auch Dienstleistungen über ihre Onlineshops an. Manche davon sind spezialisiert auf bestimmte Produktkategorien, wie z.B. Bücher oder Mode. Andere sind dagegen breit aufgestellt, und versenden diverse Produkte aus unterschiedlichen Bereichen.

Genauso gibt es Onlinehändler, die auf einzelne Länder begrenzt sind, und solche, die international liefern. Das wohl bekannteste Beispiel für einen internationalen Onlinehändler, der verschiedenste Produkte anbietet, ist Amazon. Amazon ist zugleich Händler und Handelsplattform.

Der klassische Einzelhandel leidet heute recht stark unter der harten Konkurrenz des Onlinehandels.

Fake News und Lügenpresse

Leider werden im Netz, insbesondere in den sozialen Medien, nicht selten Falschmeldungen verbreitet – teilweise unbewusst, manchmal jedoch auch ganz gezielt. Für normale Anwender ist es häufig nicht leicht, so genannte „Fake News“ auch als solche zu erkennen.

Zusammenfassung

In den letzten Jahrzehnten haben Computernetzwerke eine beachtliche Entwicklung zurückgelegt, und in vielerlei Hinsicht die Welt drastisch verändert. Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft noch viele weitere Entwicklungen und Veränderungen auf das Internet, und damit die ganze Welt, zukommen werden – mit allen positiven als auch negativen Folgen.